Bettwanzen
In den Industrieländern waren sie seit Jahrzehnten kein Thema mehr: Bettwanzen! Bei uns sind sie in Vergessenheit geraten, und mit ihnen die Methoden, sich dagegen zu wehren.

Das Ende des Befalls in den Industrienationen wurde dem Einsatz von DDT zugeschrieben. In Wirklichkeit erlosch das Vorkommen bereits einige Jahre vorher. Warum, das ist eine immer noch ungeklärte Frage, die aber hochaktuell ist. Ein Beispiel: In Südaustralien gab es innerhalb von vier Jahren zwischen 2001 und 2004 eine 250- bis 700-fache Zunahme der Bettwanzenfälle. In einem australischen Lernkrankenhaus-Wohnheim mit 352 Zimmern wurde die Entwicklung einer stabilen Bettwanzen-Population trotz Bekämpfung dokumentiert. Im Mai 2003 war in einem Zimmer ein Bettwanzenbefall gemeldet und konventionell bekämpft worden. Das heißt, lediglich im offensichtlich befallenen Zimmer wurde bekämpft.
Im Laufe der folgenden zwei Jahre gab es dann noch mehrere Schädlingsbekämpfungseinsätze
im Wohnheim. Die Verwaltung meldete in immer mehr Räumen einen Bettwanzenbefall. Die Bekämpfung
erfolgte weiterhin rein symptomatisch. Das Ergebnis: Nach Ablauf von zwei Jahren hatte sich der
Bettwanzenbefall auf 20 Prozent aller Zimmer ausgedehnt!
Mögliche Ursachen für den auch in Deutschland wieder zunehmenden Bettwanzenbefall gibt es viele:
- Etwa die Tatsache, dass ein Bettwanzenbefall den Betroffenen in aller Regel peinlich ist und sie daher das Problem zunächst gern verdrängen. Sie gehen also meist nicht offen mit der Situation um. Das trägt sicher zur Verschärfung bei.
- Teilweise werden Bettwanzen auch einfach nicht erkannt – vor allem bei alten, kranken und hilflosen Menschen.
- Bedenkenswert ist auch, dass sowohl Hautrötungen als auch Juckreiz nach einem Bettwanzenstich allergische Reaktionen sind, die durchaus nicht bei jedem Menschen auftreten.
- Nicht zwangsläufig wird also ein Befall durch derartige Symptome offensichtlich.
- Im Umfeld von mehrtägigen Großveranstaltungen steckt grundsätzlich ein hohes Potential der Bettwanzenverbreitung.
- Schlichte Zahlungsunfähigkeit kann einen Befall verschleppen.
- Vor allem der zunehmende Rucksacktourismus bis in die letzten Winkel der Erde ist als Übertragungsweg von großer Bedeutung.
Wanzenbekämpfung in Australien kostet im Schnitt 1.000 australische Dollar (AUD, ca 600,- €). Bei konservativ geschätzten 100.000 Fällen der letzten Jahre entspricht das einem Gesamtvolumen von ca. 100 Millionen AUD (ca 60 Millionen Euro). Dabei ist aufgrund der bereits erwähnten Peinlichkeit, die die Betroffenen empfinden, eine hohe Dunkelziffer anzunehmen.
Ein spektakulärer nachhaltiger Bekämpfungserfolg 2007 in einem US-amerikanischen Altenheim kostete 69.000 US-Dollar und war nur möglich aufgrund einer besonderen Bauweise des Hauses. In den armen Ländern waren die Bettwanzen immer da, niemals verschwunden.
Maßnahmen gegen Bettwanzen
Zum Schutz vor Ansteckung empfiehlt sich die Erinnerung an die Empfindlichkeiten vieler älterer Menschen gegen alles Gebrauchte/Benutzte, sei es Sperrmüll, Flohmarkt, Second Hand Läden oder „nur“ ungebügelte Bettwäsche. Schlüsselelemente sind die Aufklärung der Bevölkerung, die Früherkennung, genaue Kenntnis der Sofortmaßnahmen und der vermeidbaren Fehler, die sorgfältige Bestandsaufnahme sowie die sofortige vollständige Bekämpfung inklusive Erfolgskontrolle und laufendes Monitoring.
Es juckt – das kann auch etwas anderes sein
Der Anfang aller Gegenmaßnahmen ist die saubere Feststellung der Ursache.
- Tiere: Zecken, Milben, Mücken, Flöhe, Stechfliegen, Raupenhaare, …
- Sonstiges, z.B. : Fasern, Staub, trockene Luft, elektrostatische Aufladung, Hautkrankheiten, Veränderungen im Hormonhaushalt, Diabetes, Nebenwirkung eines Medikaments, Allergie, Überempfindlichkeit, Nahrungsmittelunverträglichkeit, …
- Juckreiz ist ähnlich ansteckend wie Gähnen. Wenn einer anfängt, kratzen sich bald andere auch. Im Anschluss an Medienberichte häufen sich regelmäßig auch Fehlmeldungen. Alles Mögliche wird zur „Bettwanze“.
Manchmal juckt es erst nach 9-14 Tagen – oder gar nicht – oder nur einen von mehreren. Juckreiz ist
eine allergische Reaktion, und wer nicht allergisch ist, merkt nichts.
Hinweise auf Bettwanzen
Lebende oder tote Bettwanzen oder leere Häute
Schwarze Punkte, Krümel oder Flecken – je nach Untergrund
Stiche oft in Reihen ähnlich wie Flohstiche (breakfast, lunch and dinner), aber am ganzen
Körper
Beispiele für Bettwanzenbefall
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| Unter einem Sofa | Hinter einem Bild | Unter einem Kissen |
Was tun
Jeder Fehler kann die Ausbreitung fördern
- Alles im Raum lassen
- Die Bettwanzen ungestört lassen
- Keine Vergiftungsaktion in Eigenregie
- Vorsicht beim Verlassen des Raumes. Mit Handtaschen, Handys und anderen Gegenständen,
- die im befallenen Raum waren, könnten schon Bettwanzen mitkommen.
- Sofort Hilfe suchen
Hilfe
Die erfolgreiche Bekämpfung eines Bettwanzenbefalls erfordert ein individuelles Gesamtkonzept:
- Den Schädling eindeutig identifizieren
Ortsbegehung und gründliche Untersuchung incl. der angrenzenden Räume horizontal UND vertikal
Mithilfe aller Betroffenen
eine Bettwanzen-Bekämpfungs-Strategie entwickeln
Nicht-chemische und chemische Entwesung
Mindestens eine Wiederbehandlung, oft mehrere
Nachuntersuchungen




